Fragwürdige Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz

t-online.de; 23.05.2012, 18:49 Uhr: Forscher: „Einmal alle zehn bis 20 Jahre ein GAU“
Link: http://nachrichten.t-online.de/atomkraftwerke-einmal-alle-zehn-bis-20-jahre-ein-gau-/id_56625080/index
Das weltweite Risiko für einen katastrophalen Reaktorunfall ist Forschern zufolge größer als angenommen. Mit dem momentanen Bestand an Kernkraftwerken [falsch: Atomkraftwerke] könne es etwa einmal in zehn bis 20 Jahren einen GAU geben, also den größten anzunehmenden Unfall, wie der Atmosphärenchemiker Jos Lelieveld ausrechnete.
Dies sei deutlich häufiger als in der Vergangenheit geschätzt, teilte das Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie[!] mit.
Höchstes Risiko für Südwestdeutsche
Nach der Analyse tragen im weltweiten Vergleich die Einwohner im dicht besiedelten Südwestdeutschland durch die zahlreichen Kernkraftwerke an den Grenzen zu Frankreich und Belgien das höchste Risiko einer radioaktiven Verseuchung.
Westeuropa – inklusive Deutschland – werde wahrscheinlich einmal in etwa 50 Jahren mit mehr als 40 Kilobecquerel radioaktivem Cäsium-137 pro Quadratmeter belastet. Nach einer Definition der Internationalen Atomenergie Behörde (IAEA) gilt ein Gebiet ab diesem Wert als radioaktiv kontaminiert.
Weltweit sind 440 Kernreaktoren in Betrieb
Momentan seien weltweit 440 Kernreaktoren in Betrieb, 60 weitere befänden sich in Planung. Um die Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze zu ermitteln, berechneten die Forscher die Laufzeit aller Kernreaktoren weltweit von der Inbetriebnahme des ersten zivilen Reaktors bis heute.
Diese Summe – 14.500 Jahre – teilten sie durch die Zahl von vier Kernschmelzen – eine in Tschernobyl und drei in Fukushima.
„Daraus ergibt sich, dass es in 3625 Reaktorjahren zu einem GAU kommt“, erklärte Lelieveld. Selbst wenn dieses Ergebnis auf 5000 Reaktorjahre aufrundet wird, liege das Risiko 200-mal höher als Schätzungen der US-amerikanischen Zulassungskommission für Kernreaktoren im Jahr 1990 ergaben. Bei der Studie blieb außen vor, wie alt ein Reaktor ist, von welcher Bauart und in welchem Gebiet er liegt.
Verteilung der radioaktiven Strahlung bei einem GAU
„Wenn wir Fukushima nur als einen GAU betrachten, verringert sich das Risiko um die Hälfte“, sagte Lelieveld.
Mit einem Modell berechneten die Atmosphärenchemiker zudem, wie sich die radioaktive Belastung nach einem GAU verteilt. Demnach würde die Hälfte des radioaktiven Cäsium-137 mehr als 1000 Kilometer, ein Viertel weiter als 2000 Kilometer transportiert.
Die Studie ist im Journal „Atmospheric Chemistry and Physics“ veröffentlicht.
Rhoenblicks Kommentar:
Rhoenblicks E-Mail an das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz:
Sehr geehrter Herr Doktor Huisl!
Der Bericht des Max-Planck-Instituts für Chemie(!) in Mainz über die Wahrscheinlichkeit eines GAUs weltweit berücksichtigt nicht, wie alt ein Reaktor ist, von welcher Bauart und in welchem Gebiet er liegt. („Bei der Studie blieb außen vor, wie alt ein Reaktor ist, von welcher Bauart und in welchem Gebiet er liegt.“)
Das sind entscheidende, gravierende Mängel.
Ich nehme an, dass wir einig sind, dass ein KKW vom Typ Tschernobyl und die Auswirkungen seines GAUs weltweit grundsätzlich nicht zu vergleichen sind mit denjenigen westlicher KKW-Typen (USA, Japan).
Somit ist diese Studie nur eine weitere, der vielen, die nicht dienlich sind. Höflichkeitshalber will ich es bei dieser Qualifikation belassen.
Mit freundlichen Grüssen
Jürg Walter Meyer
 
Sehr geehrter Herr Professor Lelieveld!
Ihr Bericht aus dem Max-Planck-Instituts für Chemie(!) in Mainz über die Wahrscheinlichkeit eines [Super-]GAUs [INES 6 und INES 7] weltweit berücksichtigt nicht, wie alt ein Reaktor ist, von welcher Bauart und in welchem Gebiet er liegt. [Artikel: „Bei der Studie blieb außen vor, wie alt ein Reaktor ist, von welcher Bauart und in welchem Gebiet er liegt.“] Das sind entscheidende, gravierende Mängel.
 Im Originaltext argumentieren Sie, Sie würden so der Tatsache Rechnung tragen, dass es auch in einem vermeintlich [„]sicheren[„] Reaktor zu einer Kernschmelze kommen kann – nicht zuletzt, weil sich nicht alle möglichen Ursachen eines solchen fatalen Unfalls vorhersehen lassen. Schließlich hätte auch die Reaktorkatastrophe in Japan niemand für möglich gehalten.
Zum Ersten:
Es gibt keine „vermeintlich sicheren“, geschweige denn „sichere“ KKWs. Bei jedem KKW muss für den Fall, dass bei einer Störung radioaktive Substanz aus dem KKW austreten könnte bzw. tut eine Notfallplanung ausgearbeitet, eingeübt und immer wieder kontrolliert werden.
Zur Hauptsache: „von welcher Bauart“:
Ich nehme an, dass wir uns einig sind, dass die Verteilung der radioaktiven Isotope in der Höhe fundamental unterschiedlich ist, ob ein klassisches russisches KKW wie Tschernobyl von einem Super-GAU betroffen ist oder nach westlicher Technik gebaute KKWs wie Fukushima oder Three Mile Island (1979) oder der britischen Nuklearkomplex Sellafield. Nur bei einem KKW vom Typ Tschernobyl werden die radioaktiven Isotope in solche Höhe transportiert, dass sie – ähnlich der „Asche“ bei einem Vulkanausbruch (z.B. Krakatau, 1883) – die Erde umkreisen.
Abschliessend zu:
„… schliesslich hätte auch die Reaktorkatastrophe in Japan niemand für möglich gehalten“.
Das sehe ich anders. Es gab in den letzten Jahren in den japanischen KKWs einige Vorfälle, die so nicht hätten geschehen dürfen; die darauf hinwiesen, dass die Sicherheitskultur schlecht entwickelt ist, dass die Kontrollen nicht oder nur mangelhaft vollzogen werden. Die Sicherheitskultur in Deutschland und erst recht in der Schweiz hat ein bedeutend höheres Niveau. Der Notfallplan für externe Auswirkungen einer KKW-Havarie ist in der Schweiz bis auf die Bürgerin, den Bürger „heruntergebrochen“, wie es in Deutschland so schön heisst.
 Sie machen sich die Sache etwas zu einfach – schade. Somit ist diese Studie nur eine weitere, der vielen, die nicht dienlich sind. Höflichkeitshalber will ich es bei dieser Qualifikation belassen.
Da Sie den Super-GAU von Three Mile Island übersehen haben, ist der in Ihren Überlegungen massgebliche Divisor nicht vier oder zwei sondern 5 bzw. 3!
Mit freundlichen Grüssen
Jürg Walter Meyer

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Geburtstag 22. November 1937 Geschlecht Männlich Interessiert an Männern und Frauen Sprachen Schwizerdütsch, Deutsch, Schweizer Französisch und Englisch Politische Einstellung Liberalismus Meine politischen Ansichten und Ziele:Förderung der, Forderung nach und Durchsetzung der Eigenverantwortlichkeit. Liberal, – der Staat ist jedoch kein Nachtwächterstaat. Post, öffentlicher Verkehr sind Staatsaufgaben; diese und andere Staatsaufgaben kann er delegieren – Kontrolle ist besser als Vertrauen. – Generell: K-Kommandieren, K-Kontrollieren, K-Korrigieren – unter Inkaufnahme dass man als unangenehm empfunden werden kann. – Unabhängige Justiz, die ihre Entscheide nach Erlangung der Rechtskraft auch durchsetzen kann; keine Einsparungen bei der Polizei. – öffentliche Schulen, dreigliedrige Oberstufe. Nur die besten gehen auf ein Gymnasium; Matur = Reifezeugnis für Studium; Studiengebühren an den Hochschulen und Universitäten – ausgebautes Stipendienwesen. Prüfen, welche Aufgaben des Staates dem BWLer-Massstab ausgesetzt werden können. „Gewinn“ ist nur ein Massstab für das Funktionieren eines Staatswesens. In gewissen Bereichen – Schulen – BWL-Einfluss wieder zurückfah Kontakt Nutzername rhoenblickjrgmr(Twitter) Facebook http://facebook.com/juergwalter.meyer Geschichte nach Jahren 1960 Hat einen Abschluss von ETH Zürich 1956 Hat begonnen hier zur Schule zu gehen: ETH Zürich 1950 Hat einen Abschluss von Realgymnasium 1937 Geboren am 22. November 1937