NZZ: "Islamische Welt als demographischer Normalfall" – eine Untersuchung ohne Aussagekraft

„Islamische Welt als demographischer Normalfall“ (Internationale Ausgabe vom 13.11.2010)  titelt die NZZ. Dem ist aber gar nicht so, wie nachfolgend gezeigt wird.
An der in der NZZ besprochenen Veranstaltung des World Demographic & Ageing Forums in Rüschlikon wurde dargelegt, dass sich die „Fertilitätsraten“ in den islamischen Staaten seit Jahrzehnten zurückbilden , jährlich um durchschnittlich drei Prozent (Prof. Nicholas Eberstad).  Solche prozentuale Informationen sind nicht sehr hilfreich, denn es stellt sich dabei immer die Frage, von welchem ursprünglichen absoluten Wert auszugehen ist. So kann es,  trotz des Rückganges der „Fertilitätsrate“, ohne weiteres sein, dass das Bevölkerungswachstum in den muslimischen Staaten heute immer noch deutlich höher ist als in Europa oder den USA. Diese Vermutung versucht Prof. Eberstadt dadurch zu widerlegen, dass er das prozentuale Bevölkerungswachstum aller US-Staaten vergleicht mit demjenigen muslimischer Staaten. Darunter versteht er “Länder mit einem Bevölkerungsanteil von über 50% Koran-Gläubigen“.  Die dem NZZ-Bericht beigefügte Grafik zeigt gemäss Professor Eberstadt, „dass die Bevölkerungsentwicklung vieler muslimischer Länder in einer Bandbreite liegt, wie sie innerhalb der USA zwischen den verschiedenen Gliedstaaten ermittelt worden ist“. So kommt der NZZ-Redaktor zum Schluss, dass „demographische Erhebungen kein dramatisches Bild zeigen (bezüglich des weltweiten Wachstums der muslimischen Bevölkerung). – Da setzt meine Kritik ein.
Die eindeutig islamischen Länder Afghanistan, Somalia, Niger, Tschad und Jemen kommen in der oben erwähnten Grafik nicht vor. Das seien „Ausreisser“ wird argumentiert. Jedoch – bei einer vergleichenden Studie wie hier vorliegend darf es grundsätzlich keine Ausreisser geben, sonst ist die Studie ein Ausreisser. Die Studie ist geschönt, hat keine Aussagekraft mehr. Kommt dazu, dass Afghanistan weltpolitisch von Bedeutung ist, dass Somalia und in letzter Zeit zunehmend Jemen konkrete Gefährdungspotentiale des Westens sind, dass alle drei erwähnten Länder – u.a. wegen des starken Bevölkerungswachstums – Rekrutierungsgebiete für al-Qaida sind. Meine Kritik geht noch weiter. Es fehlen folgende muslimische Staaten: Ägypten, Bosnien-Herzegowina (40%), Irak ,Komoren,  Libyen, Mali, Mauretanien, Oman, Pakistan, Saudi-Arabien, Sudan, total 11; zum Vergleich: 21 islamische Staaten sind berücksichtigt. Denken wir an die aktuellen weltpolitischen Krisenherde, so wären Aussagen über das Wachstum der palästinensischen Bevölkerung, vor allem aber über dasjenige der arabischen Bevölkerung muslimischen Glaubens im“ jüdischen Staat“ Israel von grösstem Interesse. Ich verweise auf den aufschlussreichen Artikel in der FAZ vom 16.11.2010  unter dem Titel „Suche nach arabischer Anerkennung. In Israel wächst die Sorge um den jüdischen Charakter des Staates“.
Der Hauptpunkt meiner Kritik kristallisiert sich in der Tatsache, dass wohl die Werte der 51 US-Staaten gewichtet werden, nicht aber diejenigen der muslimischen Länder. Utah, zum Beispiel, hat eine sehr grosse Fertilitätsrate von gut 2,6. Der Mormonenstaat Utah fällt aber nicht ins Gewicht, da er unter allen US-Staaten bezüglich der Bevölkerungszahl erst auf Platz 34 steht. Die „Fertilitätsrate der USA“ kann so exakt berechnet werden. Ihr Wert beträgt 2,1 – ein Wert, der laut UNO die Bevölkerung eines Landes stabil hält. (Alle Werte der Studie datieren von 2006). Welches aber ist die gewichtete Fertilitätsrate der rund 30 islamischen Staaten?
Ich bin überzeugt, dass die islamische Welt als Ganzes weit entfernt ist von einem demographischen Normalfall.

Über Juerg Walter Meyer 392 Artikel
Geburtstag 22. November 1937 Geschlecht Männlich Interessiert an Männern und Frauen Sprachen Schwizerdütsch, Deutsch, Schweizer Französisch und Englisch Politische Einstellung Liberalismus Meine politischen Ansichten und Ziele:Förderung der, Forderung nach und Durchsetzung der Eigenverantwortlichkeit. Liberal, – der Staat ist jedoch kein Nachtwächterstaat. Post, öffentlicher Verkehr sind Staatsaufgaben; diese und andere Staatsaufgaben kann er delegieren – Kontrolle ist besser als Vertrauen. – Generell: K-Kommandieren, K-Kontrollieren, K-Korrigieren – unter Inkaufnahme dass man als unangenehm empfunden werden kann. – Unabhängige Justiz, die ihre Entscheide nach Erlangung der Rechtskraft auch durchsetzen kann; keine Einsparungen bei der Polizei. – öffentliche Schulen, dreigliedrige Oberstufe. Nur die besten gehen auf ein Gymnasium; Matur = Reifezeugnis für Studium; Studiengebühren an den Hochschulen und Universitäten – ausgebautes Stipendienwesen. Prüfen, welche Aufgaben des Staates dem BWLer-Massstab ausgesetzt werden können. „Gewinn“ ist nur ein Massstab für das Funktionieren eines Staatswesens. In gewissen Bereichen – Schulen – BWL-Einfluss wieder zurückfah Kontakt Nutzername rhoenblickjrgmr(Twitter) Facebook http://facebook.com/juergwalter.meyer Geschichte nach Jahren 1960 Hat einen Abschluss von ETH Zürich 1956 Hat begonnen hier zur Schule zu gehen: ETH Zürich 1950 Hat einen Abschluss von Realgymnasium 1937 Geboren am 22. November 1937